4. September 2018

Glaube & Hoffnung versus Wissen & Bildung

Glaube ist Liebe zum Unsichtbaren, Vertrauen aufs Unmögliche, Unwahrscheinliche.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

 

Wir werden uns hier einem sehr heiklem Thema zuwenden. Nicht um zu denunzieren, oder pharisäisch wirken zu wollen. Aber es sind Fragen offen und es gibt Konflikte, die geklärt werden sollten. Für unser aller Frieden !

Seit ca. 2000 Jahren gibt es das Christentum. Es entwickelten sich viele Strömungen und Richtungen. Es gab Interpretationen der Bibel und wiederum Interpretationen, der Interpretationen. Was ist hier richtig und was ist falsch ? Wir fragen uns oft, ob die Welt ohne Religionen ( siehe John Lennon – Imagine there’s no country … and no religion, too … ) wirklich friedlicher gewesen wäre. Haben die Religionen wirklich dazu beigetragen, das die Welt friedlicher wird und die Menschen miteinander besser klarkommen ? Wir können es nicht sagen, weil es den Versuch ja nicht geben konnte, aber wir müssen gestehen, es ist schwer sich das vorzustellen, wenn wir einen Blick in die Geschichte des Christentums wagen.
Die Kreuzzüge, die Hexenverbrennungen, der Umgang mit den sog. „krüppligen Kindern“, oder „die Schande über die Frau, die im Kindbett stirbt“, die Judenvernichtung, wie von Martin Luther schon gefordert, die Überstellung der Kirchenjugend in die Hitlerjugend noch vor 1933 und das ohne die Äußerung eines Wunsches, oder einem Befehl, von einem Herrn Hitler ! Das sind nur kleine Auszüge aus der Geschichte der Institution Kirche.

Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: In der Zeit von 1949 ( Gründung der BRD ) bis 1975, wurden nachweislich 800 000 Kinder und Jugendliche von Nonnen, Priestern und Ihren Helfershelfern in den Instituten der Kirchen ( Bethel, Bodelschwingh, u.a. ) in Zusammenarbeit mit den Jugendämter  ( vormals „Fürsorgestellen“ ) grundlos aus Ihrem Elternhaus gerissen und bestialisch missbraucht und gequält. ( Buch: Schläge im Namen des Herren von Peter Wensierski )

Auch hier stellt sich bei uns immer wieder die Frage: „Was haben wir aus diesen pietätlosen Verwerflichkeiten gelernt ?“ und wir stellen fest, viel ist es nicht ! Wenn einem einer ins Gesicht schlägt, wird vom Opfer im Zweifel nicht nur der Mensch gemieden, der ihm das angetan hat, sondern streckenweise auch der Ort an dem es passierte und mehr. Das ist ein ganz normales Traumaverhalten. Auch im Tierreich finden wir Äquivalente: Wenn Ratten einen vergifteten Artgenossen finden, wird alles gemieden, was dieser gefressen haben könnte. Wenn aber eine Religionsgemeinschaft, Jugendliche und Kinder quält und missbraucht, rennen die Menschen trotzdem noch wie die Lemminge in diese Institutionen, tragen Scheuklappen und erfinden Alibierklärungen, was daran gut sein soll und was es für Vorteile haben kann, wenn man da trotzdem hingeht. Warum wurde dann nie geklärt, wie diese Grausamkeiten geschehen konnten und vorallem, was geschehen muss, das so etwas nie wieder passiert ? Was ist das ???

Es sei nochmals hervorgehoben, dass wir hiermit niemanden (be-)werten, oder Schulmeistern wollen. Unsere Absicht ist es ausschließlich anzuregen, dass diese Problematik sachlich geklärt wird !

In unseren Beobachtungen haben wir festgestellt, das es einen relativ simplen Trick dafür gibt, Menschen immer wieder in diese Institutionen zu locken und der heißt „Macht“ ! Wenn man Jugendlichen Macht – in Form von Verantwortung – gibt, hat man diese auf seiner Seite. Keiner wird Macht freiwillig und von alleine abgeben und alles dafür tun, dass diese Macht auch erhalten bleibt. Für dieses Verhalten gibt es 1000e Studien ( siehe auch: Das Experiment ). Das geht sogar so weit, das plötzlich Freunde gemieden werden und sogar Familien kaputt gemacht werden.

Aber warum kann denn die Macht so über diese jungen Menschen und Ihren Eltern obsiegen ? Was ist der Punkt, der in der Bildungskette – oder in der Werdung – eines Menschen fehlt, wenn er wider aller Psychologie, die Macht vor der Gefahr – oder auch dem Verderben ? – vorzieht ? Warum können gut gebildete Menschen – wieder besseren Wissens – davon nicht abhalten, sich einer Institution anzuschließen, die so eine erschreckende Vergangenheit hat und damit ihr Erbe weitertragen. Warum können diese jungen und gebildeten Menschen stattdessen nicht in sofern kreativ sein, in dem sie etwas eigenes machen ? Solche Projekte sind doch erwünscht und werden auch gefördert.

Nichts hat in 2000 Jahren dieses Konstrukt zum Fallen gebracht. Dreist die herzlichsten und besten Menschen konnten diese Institutionen nicht davon abbringen, Korruption, Machtmissbrauch und Misshandlungen zu unterlassen. Was fehlt hier ?

In diesem Fall erleben wir, wie psycho- und soziogenetisch, Verhaltensweisen von Generation zu Generation weitergegeben bzw. vererbt werden. Wir halten das für eine sehr gefährliche Wahrheit, denn sie macht blind, weil diese Verwerfungen immer wieder hingenommen wurden und es nie Konsequenzen gab. Niemand hat jemals hier einen Riegel vorschieben können. Vor ein paar Jahren wurde öffentlich in den Medien über Missbrauch in der Kirche berichtet, aber kaum jemand denkt noch daran und kann wirklich nachvollziehen, was in diesen Fällen los gewesen ist. „Warum soll mein Kind nicht in die Kirche gehen, hat uns doch allen nicht geschadet ?“. Genau das ist schon der größte Schaden, weil, wie bereits beschrieben, die Objektivität fehlt und jeder Missbrauch, der nicht (auf)geklärt wurde, eine Animation ist, einen nächsten Missbrauch zu begehen. Die Jugendlichen spielen, basteln, angeln, tanzen, sind unter gleichaltrigen und was soll schon dabei sein ? Wie bizarr ist der Zwiespalt zwischen dem Entsetzen über die Vorfälle in der Odenwaldschule, wenn man denn überhaupt Kenntnis davon hatte und der Freude, wenn die eigenen Kinder ins Zeltlager fahren.

Wenn nun ein Junger Mensch nichts weiter mit sich anzufangen weis und die Kirche interessant findet, warum wird hier nicht zusammen mit seinen Eltern und / oder Bezugspersonen wenigstens erstmal hinterfragt, was der Kern dieser Institution ist ? Warum wird nicht in die Geschichte und die Entwicklung dieser Institution geschaut ? Was ist vor allem die Absicht dieser Institution, Kinder und Jugendliche für sich zu gewinnen ? Sind wir nicht mehr in der Lage diese Fragen zu stellen, oder sind uns die Antworten darauf zu schwer ?

Wenn wir uns mit einem Menschen einlassen und Vertrauen schenken wollen, dann gehört es doch auch dazu, das wir diesen Menschen erstmal kennenlernen, oder !?! Wir befragen ihn also. Wo kommt er her, was hat er gelernt, wie ist er überhaupt gebildet ( emotional und kognitiv ), hat er Schicksale erlitten, oder ging es ihm immer gut ? Warum geht das nicht bei den Kirchgemeinden, oder auch in anderen Institutionen ?

Im Übrigen haben wir festgestellt, das Diskussionen mit Jugendlichen über dieses Thema bis zur Blockade und weiter zur Paralyse führen kann … Bei einigen Probanden, hat sich bei den Befragungen in der Konfrontation mit der Kirchengeschichte eine mutistische Haltung ( Verstummung ) gezeigt.

Hypothetische Analyse:

Die Ideologie der Kirchgemeinden wird durch einen autoritären Leitungsstil eine zunächst imaginären Person getragen. Gott steht ganz oben und bestimmt was gut und böse und was richtig und falsch ist. Die Bibel, dessen Deutung von der theologisch-wissenschaftlichen Seite bis heute zu einem großen Teil ungeklärt ist, gilt als Almanach für alle Regeln. Ein „Gesetzbuch“ mit ungeklärtem Inhalt erzeugt Zweifel, aber Zweifel an diesem System kann nicht zugelassen werden und wird in der Regel als störend empfunden. „Wer gegen Gott ist und zweifelt, gehört nicht mit dazu …“ Das Ganze Konstrukt wird in einem Schafspelz gelegt und als Menschen- und Nächstenliebe verkauft, aber ist es das wirklich ? Haben wir nicht mal gelernt, dass lieben auch loslassen heißt ? Gibt es selbst in der Bibel nicht den Jünger Jesu, der sich „Thomas der Zweifler“ nennt und trotz allem von Jesus geliebt wurde ? Einige, der frommen Brüder einer Gemeinde möchten Jesus ähnlich werden, aber rümpfen pikiert die Nase, wenn eine männliche Person, eine Pferdeschwanzfrisur trägt. Jesus hatte keinen Fasson ! Wir haben großen Zweifel daran, dass es sich hier wirklich um Liebe als solche handelt.

Wer braucht nun also diesen autoritären Leitungsstil ? Autoritärer Leitungsstil wird i.d.R. von den Menschen abverlangt, die sich selbst nicht führen können. Psychologisch betrachtet, finden wir hier immer wieder Defizite im Ich-Konstrukt. Im besonderen: Ich-Wert, Ich-Identität. Keiner wird von sich selbst aus an sich zweifeln und es wird auch bei vielen gut gemeinten und auch bei gewünschten Anstößen die kritisieren wollen und sollen, zu Entsetzen, Angst, Wut und Trauer kommen. Wie kommt es dazu, das flächendeckend so viele Menschen, dieser sachlichen Kritik nicht stand halten ? Wir denken, das es sich hier um eine Form von Machtverlust handelt. Macht über sich selbst und Macht über andere.

Wenn wir davon ausgehen, dass es sich um Bildungsdefizite handelt, woher könnte es dann kommen ?

Selbst bei den besten Eltern, die Ihre Kinder aufrichtig lieben, die ihnen alles bieten, was zu einer gesunden Entwicklung gehört, gibt es immer einen „Störfaktor“ in unserer aller Werdung und das sind die stattlichen Schulen. In unseren Schulen, in denen immer noch das Gleichmacherprinzip und „Willensübertragung durch Befehl“ vorherrscht, wo Kreativität da endet in dem man Feuerwehrautos malt, wo Neugier ist ein Hasswort ist, wo sich Lehrer untereinander mobben und eine mangelnde pädagogische Ausbildung haben, da wo „Bulemielernen“ und „Noteninflation“ praktiziert wird und Konzentration wie Langzeitgedächtnis eher schlecht entwickelt wird … da hat eine Institution die mit autoritären Leitungsstil arbeitet, große Chancen Ihren grenzwertigen Zweck durchzusetzen.

Wir möchten anregen, jungen Menschen eine gute kognitive und emotionale Bildung zu bieten, in der vorallem aufgezeigt wird, dass es außer der Möglichkeit sich einem autoritärem Leitungsstil auszusetzen, auch die Eigenstreuerung als Äquivalent zur Verfügung steht. Wir brauchen keine Kopfnicker und Ja-Sager, wir brauchen dringend Menschen, die kreativ und innovativ sind, die eigene Ideen haben und denen wir die Welt vertrauensvoll zur Verantwortung überlassen können, damit sie den Schaden, der die vorherige Generation gemacht hat, wieder begradigen können !

 


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